Erfahrungsberichte 1.0

Viele Jahre meines Leben sind geprägt von Freundschaften zu Männern – vor allem wenn ich mir die letzten Jahre so ansehe: Ich hing einen Großteil meiner Zeit mit hauptsächlich männlichen Gruppen rum. Ich habe mir das nicht bewusst so ausgesucht und es fiel mir sehr lange auch gar nicht wirklich auf – bis jetzt. Es hat mich mehr geprägt als ich dachte und das nicht gerade im positiven Sinne.

Das hier soll keine Analyse meiner Freundschaften werden, es soll eher ein Erfahrungsbericht sein – ein Erfahrungsbericht über Sexismus. Ich wollte es lange nicht so nennen – wieso sollte ich Freunden von mir Sexismus unterstellen? Doch – wie wir alle wissen – macht Sexismus nirgendwo Halt. Und je bewusster ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, wie viel davon es wirklich war.

Warum ich am Ende oft immer mehr in männlichen Freundesgruppen landete, hatte wahrscheinlich zwei Gründe: Zum einen, dass ich immer sehr offen gegenüber Freund:innen meines Partners bin und zum Anderen, weil ich oft das Gefühl hatte unter Männern mehr „daneben“ sein zu können, mehr das Laute, das Impulsive, das Exzessive in mir ausleben zu können. Letzteres stellte sich allerdings als massiver Fehlschluss heraus, denn genau das hat viel mit meinen Erfahrungen zu tun.

Eine Person mit Meinung? Hilfe?

Die Probleme begannen immer, sobald ich eine Meinung äußerte, die nicht unbedingt volle Zustimmung in der Runde bekam, sie begannen immer, sobald ich aktiv in der Gruppe handelte. Es schien, als wäre man durchaus überrascht von mir, überrascht davon, dass ich Teilhabe wollte, dass ich mich selbst und Dinge, die mit mir zu tun hatten, einbrachte – das war wohl ein Stressfaktor. Mit der Zeit merkte ich, wie ich immer weniger und weniger ernst genommen wurde: Wenn es um gesellschaftliche Themen ging, war ich im Voraus schon die „getriggerte Feministin“ und mir wurde sogar mal gesagt, ich solle doch einfach mal „Dinge schlucken“ und „mich entspannen“, Themen von denen ich mehr Ahnung hatte als der Rest kamen nie wirklich zur Sprache, einen eigenen Musikgeschmack hatte ich eh nicht, der war ja nur durch den der Jungs begründet und grundsätzlich war man der Meinung, dass ich die Welt nicht verstanden hatte. Natürlich lag das auch alles an mir selbst, an meiner Person, nicht daran, dass ich eine Frau war. Mittlerweile bin ich aber ziemlich überzeugt davon, dass es zu einem großen Stück damit zusammenhing. Alles was mit mir zu tun hatte, wurde als weiblich deklariert, eben das Gegenteil von männlich und damit konnten und wollten sie nicht wirklich was zu tun haben.

Ja, es gab in diesen Freundeskreisen auch andere Frauen. Ich merkte allerdings irgendwann, dass es von ihnen entweder Schweigen oder Zustimmung gab. Eine dieser Frauen erzählte mir mal, dass sie an den Abenden immer einschlief, weil sie nie das Gefühl hatte, sie selbst sein zu können. Sie hatte das Gefühl sonst nicht gemocht zu werden, zu stören. Und ich störte. Anscheinend störte ich immer ziemlich.

Ich verstand es lange nicht wirklich, warum ich nicht so sein durfte, wie ich eben war, denn vergleichbare Eigenschaften fanden sich auch bei den Menschen um mich herum, bei den Männern um mich herum und da waren sie auf einmal okay. Trotzdem ich in den letzten Jahren immer mehr über den alltäglichen Sexismus, den Frauen erfahren, gelernt habe und wusste, dass es so Dinge wie mansplaining gibt, wäre mir nie in den Sinn gekommen, in diese Richtung zu denken. Zu groß war die Überzeugung, dass es ja doch an mir liegen könnte, dass ich viel zu laut und viel zu anstrengend sei, dass ich doch unfähig bin und sowieso grundsätzlich komisch. Zu komisch, um ernst genommen zu werden. Ich habe es doch selbst verbockt, dachte ich immer wieder, ich hätte nicht so viel sagen sollen, oder: Ich hätte nicht so viel trinken sollen, oder: Ich hätte vielleicht einfach mal nicht meine Meinung vertreten sollen.

Die Wahrheit ist: Ich glaube auch dann wäre es nicht unbedingt besser gewesen. Auch dann hätte ich meine Erfahrungen gemacht. Dann hätte es andere Dinge gegeben: Vielleicht wäre mein Kleidungsstil oder mein Gewicht in den Fokus gerutscht, wer weiß, irgendwas hätte sicher nicht gepasst.

Und: natürlich waren Konflikte beidseitig begründet, aber die Fairness suche ich im Nachhinein immer noch vergeblich. Anstatt sich auf Augenhöhe zu begegnen, merkte ich, wie ich immer wieder in die Rolle eines „kleinen naiven Mädchens“ rutschte, was mich wütend machte – die Wut aber machte es natürlich auch nicht besser, denn wütende Mädchen sind „gestört“ und „krank“. Ich möchte hier besser nicht ausführen, was ich mir anhören musste, als ein Konflikt tatsächlich mal eskalierte.

Ich habe wirklich sehr viele Jahre meines Lebens geglaubt, dass ich einfach sehr anstrengend und speziell bin. Ich habe sogar geglaubt, dass ich manchen Dingen einfach nicht gewachsen bin. Einfach nur durch männliche Zuschreibungen, sogar durch die meiner eigenen „Freunde“.  Ich habe geglaubt, dass ich nur ernst genommen werden kann, wenn ich gewisse Dinge tue, oder eben auch nicht tue. Dass es daran liegen könnte, dass ich eine Frau bin, kam mir erst sehr spät in den Sinn. Ich unterstelle nicht immer Absicht, schließlich leben wir alle in diesen oft unterschwelligen, aber mächtigen Strukturen, aber in einigen Fällen unterstelle ich die fehlende Bereitschaft, das eigene Weltbild mal zu hinterfragen. Ich unterstelle Bequemlichkeit – denn ein vollwertig gedachter Mensch weniger bedeutet auch weniger Stress. Für die Betroffenen bedeutet es allerdings: mehr davon. Eine Mehrbelastung. Vor allem greift es den Selbstwert an und führt oft zu ganz absurden Gedankengängen, ihr wisst schon, diese Kleinigkeiten, die das Aussehen und das Wirken betreffen. Vor allem in Freundeskreisen hat das nochmal einen stärkeren Effekt, denn es wirft die Frage auf, ob man denn überhaupt gut genug für die Leute ist, die dich mögen sollten und eigentlich gerne Zeit mit dir verbringen.

Ob es dafür eine Lösung gibt? Strukturen in Frage stellen. Immer und immer wieder.

Und auch: Immer und immer wieder mit Menschen über diese Erfahrungen sprechen. Allen voran Menschen, die zuhören. Und genau deshalb schreibe ich das hier alles auf. Denn meine Erfahrung ist eine Erfahrung unter Vielen – und je mehr Erfahrungen sichtbar werden, desto höher wird die Chance, dass Strukturen hinterfragt werden.

Ich für meinen Teil suche Freundschaften immer noch nicht nach Geschlecht aus. Ich halte mich an die, die mich als eigen- und vollständige Person anerkennen, mich ernst nehmen und mich richtig einbeziehen. Ohne mich ständig zu hinterfragen. Ohne jegliche meiner Launen, als Beweis eines schlechten Charakters zu sehen. Wie gesagt, die bei denen ich Mensch bin.

Über ‚falsche Sätze‘ und warum es wirklich einfach falsche Sätze sind

Letzten März erschien in der Süddeutschen Zeitung ein Interview. „Der nichtdepressive Partner zerbricht leicht an der Belastung“ heißt die Überschrift, „Ein Gespräch über richtige und falsche Sätze, Selbstfürsorge und die Frage, wie man sich trotz all dem Schmerz nah bleibt.“, lautet der letzte Satz, den ich noch ohne Paywall lesen kann.

Wie es weiter geht weiß ich immer noch nicht. Als ich damals diese Überschrift las, musste ich lachen, ziemlich bitter, denn ich fühlte mich ziemlich verarscht. Der:die Außenstehende zerbricht also an der Belastung. Ok. Gut. Ich konnte nicht anders und machte mich darüber lustig, wofür ich ziemlich viel einstecken musste. Es ist wohl nicht gern gesehen, die xte Verständnislosigkeit, der man begegnet, durch den Kakao zu ziehen, während Achim sich lautstark darüber beschwert, dass seine Ex-Freundin nur nicht putzen wollte und deshalb die Depression als Ausrede nahm.

Aber darum soll es hier nicht primär gehen. Der eigentliche Grund, warum ich das hier schreibe, ist die Formulierung der „falschen Sätze“. Es ist eine kleine Formulierung aus zwei Wörtern, die nicht unbedingt viel aussagt, aber für mich als Betroffene steckt dahinter eine ganze Attitüde. Eine Attitüde, die mir schon sehr oft begegnet ist. Hinter dieser falsche-Sätze-Formulierung steckt nämlich diese Aussage: „Nichts kann man dir sagen! Du bist nicht kritikfähig!“

Und diese Aussage ist auf der einen Seite sehr problematisch; auf der anderen Seite ist sie haltlos.

Hier müssen wir ein bisschen ausholen, damit es auch jede Person versteht:

Menschen, die eine psychische Erkrankung, beziehungsweise eine Depression nicht nachvollziehen können, halten sich – bewusst oder unbewusst – für die „vernünftigere Instanz“, eben die Instanz, die „irgendwas besser verstanden hat“. Das ist erstmal nicht weiter schlimm, denn so denkt eben diese ganze Gesellschaft: Wer mit einer Depression zu kämpfen hat, macht irgendwas nicht so ganz richtig. Und genau da beginnen die Probleme.

Dass eine Depression eine ernsthafte Erkrankung ist, die durch Genetik, Traumata, Lebensumstände, oder alles zusammen ausgelöst werden kann, wissen mittlerweile schon sehr viele Menschen. Allerdings führt das nicht unbedingt dazu, dass der Mythos der „Einstellungssache“ verschwindet. Es führt erstmal dazu, dass die breite Masse glaubt, es läge komplett in der Verantwortung der:des Betroffenen, die Depression in den Griff zu bekommen. Als wäre es eine Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft und den Mitmenschen.

Die Depression wird oft mit einem gebrochenen Bein verglichen: „Wenn du ein gebrochenes Bein hast, gehst du doch auch zum Arzt, dasselbe gilt für die Depression.“ Auf dieser Ebene ist der Vergleich sinnvoll und angebracht, aber es scheint mir doch oft so, dass er auf den Heilungsprozess übertragen wird und da ist er ungefähr so vielschichtig, wie der Raum zwischen Tapete und Wand. Sich auf die Heilung eines gebrochenen Beines zu konzentrieren, ist in dieser Gesellschaft weniger ein Problem: Es ist ein sichtbarer „Ausfall“, um im Arbeitsjargon zu sprechen. Ein Ausfall, der jedem Menschen – ohne dass er sein Köpfchen zum Denken oder Differenzieren benutzen müsste – schnell klar ist. Zudem lässt er sich zeitlich vorhersagen. Zumindest grob.

Bei einer Depression ist Beides nicht der Fall. Sie wird nicht gesehen – und wie lange der Heilungsprozess dauert ist einfach nicht absehbar, denn eine Depression verläuft nicht linear, sie ist holprig, voller Stolpersteine und manchmal geht sie nur, um irgendwann wieder zu kommen. Das passt vielen Außenstehenden einfach nicht. Getrieben von der Einstellung, dass Menschen nur lügen und Ausreden erfinden, um faul sein zu können, ziehen sie gerne falsche Schlüsse wenn eine psychische Erkrankung ins Spiel kommt. Sie sehen, wie ein Mensch nicht ständig im Bett liegt, zur Arbeit oder feiern geht, sie sehen wie der erkrankte Mensch Dinge tut, die mit einem gebrochenen Bein, oder einer ausgewachsenen Grippe nicht möglich sind und schon sind die längst vergrabenen Detektiv-Träume aus der Kindheit höchst aktuell: sie sind etwas ganz Heißem auf der Spur! Sie riechen unberechtigte Bequemlichkeit und unverdienten Spaß – wirklich ein Unding, während alle anderen fleißigst ihre Pflichten erfüllen. Da muss geschwind wieder Gerechtigkeit hergestellt werden! Und so machen sie sich auf die Suche nach Beweisen, dass die Depression entweder erstunken und erlogen ist, oder doch eigentlich gar nicht so schlimm. Und anstatt den eigenen Zustand, oder das eigene Leben in Frage zu stellen, da gegenüber einer kranken (!) Person Neid und Missgunst aufkommt, wird einfach – bequemerweise – weiter im muffigen und unreflektierten Weltbild gedacht. Eben in einem Weltbild, das die außenstehende Person legitimiert, weil sie gesund ist. Der gesunde Mensch ist der Mensch, der arbeitet, der angeblich etwas zur Gesellschaft beiträgt, der kranke Mensch, den alle anderen mittragen müssen und sich deshalb unsolidarisch verhält – wie passt das eigentlich zur Formulierung „Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied“, das gefühlt von selbiger Personengruppe immer wieder reproduziert wird?

Abgesehen von der Legitimation durch ihre eigene Funktionalität, fühlen sich nicht erkrankte Menschen auch in anderen Lebensbereichen als den grundsätzlich fähigeren Part. Egal, ob es jetzt ums Trauern oder ums Feiern geht: Der depressive Mensch macht grundsätzlich was falsch. Er fühlt falsch und denkt falsch. Das muss ihm gesagt werden. Eindringlich. Und oft wird das auch noch als selbstlose Aktion verkauft. „Dir wird es besser gehen, wenn du nicht mehr an die Vergangenheit denkst.“ klingt ja nach einer konstruktiven Lösung, oder? Genauso wie ein prophylaktisches „Steiger dich da aber jetzt bitte nicht zu sehr rein.“ Meint ihr nicht?

Während sich der:die Erkrankte – bestenfalls durch eine Therapie – innerlich schon sehr differenziert mit der Gedankenlast auseinander setzt und versucht, Strategien zu entwickeln ihr adäquat zu begegnen, kommen nebenher auch noch solche „Lösungen“ eingetrudelt, die eher wie ein Geisterfahrer fungieren, anstatt dass sie voranbringen. Sie sind wie ein plötzliches Hindernis bei voller Fahrt, sie sind nicht ungefährlich und können Einiges anrichten. Sie können Fortschritte verzögern, oder sogar wieder zunichte machen. Sie zehren Energie. Und die einzige Antwort, die es darauf gibt, ist: „Egal was man sagt, es ist immer falsch!“ Ein Vorwurf also. Danke.

Der depressive Mensch ist in seinem Umfeld also nicht nur aufgrund der Depression eine Belastung, sondern auch, weil er auf entsprechendes Verhalten eben auch entsprechend reagiert. Natürlich zerbricht man daran sehr leicht. Verständlich. Im Gegensatz zu immer wiederkehrenden unterschwelligen Äußerungen, dass man im depressiven Zustand sowieso die Dinge nur falsch macht und nicht wirklich ein eigenständiger Mensch sei, der das Recht hat sich zu wehren, sind das natürlich die „richtigen“ Probleme. Ich möchte ungerne in richtige und falsche Probleme unterscheiden, aber als selbst Betroffene kann ich sagen, dass die (durch Außenstehende so bezeichneten) „richtigen Probleme“ ein sehr unangenehmer Begleiter werden können. Denn trotz der Belastung, die alleine schon durch die Depression da ist, trotz der ständigen inneren Regulierung, die vollzogen wird und trotz aller anderen möglichen Zwickmühlen, die dieses Leben so bereit hält, haben wir depressiven Menschen anscheinend keine richtigen Probleme. Und hier sind wir wieder bei der unterstellten Unfähigkeit angelangt, die sich, wenn wir sie ansprechen zu einer Kritikunfähigkeit wandelt. Ein Teufelskreis.

Man wird schnell arrogant gesprochen, wenn man keine Lust hat, die gleichen Sätze immer wieder zu hören, wenn man einfach keine Energie mehr aufbringen kann, sich ständig zu rechtfertigen, ständig Rede und Antwort zu stehen, warum man denn jetzt nicht so ist, wie die Mitmenschen es sich zusammengesponnen haben. Man ist schnell der:die Egoist:in. Die Positionen werden verdreht. Als depressive Person ist man auf einmal der Bösewicht, der Klotz, der Mensch, der alles schwierig macht und alles zerstört. Das ist ungefähr so, als würde man dem Menschen mit der Krebserkrankung diese Vorwürfe machen: sie sind absolut unangebracht und daneben. Aber das ist irgendwie nicht in unserem ungeschriebenem gesellschaftlichem Regelwerk festgeschrieben. Eher unangebracht ist die Depression. Depressionen haben gehört sich nicht.

Ob die Psychologin im Interview der Süddeutschen darüber gesprochen hat, dass gewisse Dinge einfach nicht gesagt gehören – auch nicht bei psychisch Erkrankten – , oder ob es lediglich darum ging, dass depressive Menschen gewisse Aussagen nicht verkraften, weiß ich nicht. Es wäre jedoch nicht verwunderlich, wenn es wieder nur darum ginge, dass „Ehrlichkeit in diesem Zustand einfach nicht geht.“ Dass es sich meist nicht um Ehrlichkeit, sondern um Zuschreibungen, die nicht auf Augenhöhe passieren, geht, scheinen wirklich sehr viele Menschen einfach nicht verstanden zu haben. Immer noch nicht. Das geht von Angehörigen, bis hin zu Fachleuten. Es scheint wohl sehr schwierig für den gesunden Menschen zu sein, zwischen zwischenmenschlichem Verhalten und Dingen, die einfach nicht seine Angelegenheit sind, zu unterscheiden. Als Betroffene:r findet man sich dann auf einmal in absurden Diskussionen, wie man denn jetzt die Töpfe eingeräumt hat, oder wo man denn hingucken soll, wieder.

Viele werden bei den „falschen Sätzen“ zuerst an vermeintlich gut gemeinte Ratschläge denken. Viele werden jetzt wieder mit der „guten Intention“ jegliche Kritik beiseite schieben. Aber das ist zu einfach – niemand sollte sich damit aus der Verantwortung ziehen können. Denn, auf der einen Seite frage ich mich schon lange, wie meine Mitmenschen immer wieder auf die Idee kommen, anderen Menschen ungefragt zu sagen, wie sie etwas machen sollten oder noch besser, was sie gerade nicht richtig machen und auf der anderen Seite handelt es sich nie nur um „Ratschläge“, sondern, wie ich hier schon anklingen habe lassen, oft auch um Zuschreibungen und Unterstellungen. Da kann es in Konfliktsituationen schon mal vorkommen, dass man auf einmal manipulativ gesprochen wird, dass Dinge nicht kommuniziert werden, weil der:die Betroffene „damit ja nicht umgehen kann und nur wieder Drama macht“, dass die Situationen für die Person bewertet werden und die eigene Einschätzung keine Rolle spielt.

Das ist meines Erachtens nicht einfach ein Fehlverhalten das aus Unwissenheit passiert. Mir ist es schon so oft untergekommen und ich habe schon so oft davon gehört, dass ich mittlerweile davon ausgehe, dass es sich Ignoranz handelt. Zu bequem ist doch die Position, die als fähiger gilt, zu unangenehm der Gedanke, dass man nicht der Mensch ist, der dieser Gesellschaft besser tut, zu einfach wirkt das konstruierte Leben ohne depressive Gedanken.

Als Betroffene bin ich ehrlich: Ich bin wütend. Sehr. Ich nehme es euch übel. Hört mit dieser Ignoranz auf. Fangt an nachzudenken. Es wird Zeit.