Eine nicht so eloquente Ode an das Vergessen

Gerade eben hatte ich noch einen perfekten Anfang, den ich vergaß.
Den perfekten Anfang, der mich vor meiner Blockade retten sollte.
Aber bevor ich vergesse einfach weiterzuschreiben, erzähle ich euch einfach, was ich schon alles vergessen habe.
Erst heute Mittag, beim Wäsche waschen – ich vergaß das Waschmittel,
Ich vergaß das Klopapier, ließ es mitten im Laden stehen. 
Das ist nicht das erste Mal.
Beim ersten Mal vergaß ich es am Bahnhof.

Ich vergesse immer die Termine, die ich bei der Bank gemacht habe. 
Wenn mich die Bankkauffrau doch zu Gesicht bekommt, lächelt sie immer so streng, sie, die Ordentliche. 
In ihren Augen sieht man das Unverständnis, vielleicht nimmt sie mir das persönlich, das Vergessen, sie nimmt es mir übel, mir, der Chaotischen.
WIE KANN MAN DAS ÜBERHAUPT VERGESSEN?
Fragten mich meine Mutter, mein Physiklehrer, andere.
Hausaufgaben vergisst man nicht, man ist zu faul für sie, oder?
Oder dumm, weil Physik-Hausaufgaben in der Mittelstufe etwas Unabdingbares für deinen restlichen Lebensweg sind.

Ich wollte mir Dinge aufschreiben – was ich vergaß.
Dann habe ich mir Dinge aufgeschrieben – was ich wiederum vergaß.
Und dann vergesse ich, was ich so gelesen habe.
Und dass ich mich nicht mehr rechtfertigen wollte.

Vor ein paar Tagen hatte ich mich fast ausgesperrt, weil ich fast vergaß den Schlüssel mitzunehmen.
Und Sekunden zuvor sagte ich zu mir: Das darfst du nicht vergessen!
Manchmal bin ich auf halbem Wege wieder umgekehrt, weil mir einfiel, dass ich den Herd nicht ausgemacht habe,
dabei hatte ich nur vergessen, dass ich ihn ausgemacht habe.
Herdception, denn Vergessception hört sich nicht so gut an und liest sich auch scheiße.
Zumindest habe ich nicht vergessen, wann die Meisten meiner Mitschülerinnen aus der Realschule Geburtstag hatten, 
dass Kolumbus 1492 Amerika entdeckte und dass Benedict Cumberbatch jünger ist als Jim Parsons.
Ist ja auch wichtig.

Aber – vielleicht ist das Vergessen nicht immer so schlimm.
Zumindest hat man dann Geschichten zu erzählen,
manchmal unterhält man damit sein Umfeld.
Entgegen aller Prophezeiungen habe ich einen Schulabschluss und die massiven Nachteile bleiben aus.
Nur manchmal denke ich an das strenge Lächeln der Bankkauffrau. Ich habe ein schlechtes Gewissen, das ich irgendwann wieder…vergesse.

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